Die Angedacht!-Manuskripte vom 31. Mai bis 6. Juni 2026

Autor: Stefan Weinert, Trier


Thema: Übermenschliche Leistung?

Sonntag, 31. Mai 2026, 6:40 Uhr

Habt ihr’s mitbekommen? Starker Erfolg für den deutschen Schwimmer Marius Kusch – bei den Enhanced Games am vergangenen Wochenende in Las Vegas hat er über 100 Meter Schmetterling Platz 1 geholt und dafür 250.000 US-Dollar Siegprämie eingestrichen. Allerdings war er gedopt. Denn was sonst im Sport verboten ist, gehört bei diesem sehr speziellen Sportwettbewerb dazu: Fast alle der 42 Sportlerinnen und Sportler haben acht Wochen lang Dopingmittel genommen, unter medizinischer Aufsicht, wie die Veranstalter der Enhanced Games versichern. Denn, so wörtlich: „Mit Hilfe der Wissenschaft soll die Zukunft menschlicher Leistungen gestaltet werden“ – also: künstlich gesteigert werden. Unser Körper, wie ihn Gott oder die Natur geschaffen haben – ist der also nicht gut genug? Was ist mit denen, die keine Spitzenleistung bringen können – weil sie alt sind oder krank? Oder die das nicht wollen? Ist über-menschliche Leistung ein gutes Ziel? Oder ist es menschlich, dass wir alle unsere Leistungsgrenzen haben und die auch akzeptieren? Und trotzdem einmalig sind, jeder und jede, und wertvoll – so wie wir sind? Was denkt ihr?


Thema: Sagt heute etwas Nettes!

Montag, 1. Juni 2026, 6:40 Uhr

Danke für den Kaffee – you made my day! Hey, schönes Shirt hast du an! – Heute ist der „Sag etwas Nettes“-Tag. In den USA, wo er herkommt, heißt er „National Say Something Nice Day“. Lange gibt’s den noch nicht. Er geht zurück auf ein Buch des christlich geprägten Kommunikationsexperten Mitchell Carnell von 2012: „Say Something Nice“, „Sag etwas Nettes“. Gute Idee, oder? Ihr freut euch doch auch, wenn euch jemand etwas Nettes sagt? Und schon die Bibel weiß: „Freundliche Worte sind eine Honigwabe, süß für den Gaumen, heilsam für den Leib“; in anderen Übersetzungen heißt es „süß für die Seele und heilsam für den Leib“. Passt ja auch; denn wir wissen längst, dass die Gesundheit von Seele und Körper zusammenhängen. Etwas Nettes tut der Seele gut, und das kann wirklich heilsam sein. Und wenn es gerade nix zu heilen gibt, dann ist es halt einfach schön und angenehm und süß für die Seele, wie Honig für den Gaumen. Also: Heute ist der „Sag etwas Nettes“-Tag. Wem könntet ihr heute etwas Nettes sagen – zuhause, auf der Arbeit, in der Schule, beim Training – oder wo ihr sonst so unterwegs seid. Das wär doch – echt nett!


Thema: Wann beginnt Zivilisation?

Dienstag, 2. Juni 2026, 5:40 Uhr

Schon jetzt sind hunderte Menschen gestorben bei der Ebola-Epidemie im Kongo. Hilfsorganisationen bitten um Spenden, auch auf Social Media. Neben viel Unterstützung gibt’s da auch solche Kommentare: „Wir haben genug eigene Probleme!“ oder „Grenzen dicht, damit wir verschont bleiben!“ Was haltet ihr davon? Die berühmte Ethnologin Margaret Mead hat mal geschildert, welcher Fund aus der Vorgeschichte der Menschheit für sie den Anfang der Zivilisation markiert: kein Werkzeug und keine Spuren erster Landwirtschaft – sondern ein menschlicher Oberschenkelknochen mit einem verheilten Bruch. Denn das hat bedeutet, dass jemand diese verletzte Person gepflegt hat, mit Nahrung und Wasser versorgt hat, vor wilden Tieren beschützt hat - bis der Bruch geheilt war. So geht Zivilisation, sagt Margeret Mead. Dazu passt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter aus der Bibel, das Jesus von Nazareth erzählt: Ein Mann wird überfallen, zusammengeschlagen, ausgeraubt und verletzt liegengelassen. Andere gehen einfach vorbei, bis endlich einer dem Verletzten erste Hilfe leistet und mit seinem eigenen Geld dafür sorgt, dass er gesund gepflegt wird. So geht Nächstenliebe, sagt Jesus. Wo reiht ihr euch ein: Team „Wir zuerst“? Oder Team „Zivilisation und Nächstenliebe“?


Thema: Traditionen, Einstellungen, Vorstellungen und Gewohnheiten – lasst mal frischen Wind rein!

Mittwoch, 3. Juni 2026, 5:40 Uhr

Kennt Ihr Papst Johannes den dreiundzwanzigsten? Der das Zweite Vatikanische Konzil einberufen hat, die große Kirchenversammlung in den sechziger Jahren? Das Ende des Konzils hat er nicht mehr erlebt, er starb am 3. Juni 1963, heute vor 63 Jahren. Als ein Kardinal den Papst fragte, wozu das denn gut sein solle, dieses Konzil – da ging der zum Fenster, öffnete es und sagte: „Um frischen Wind hereinzulassen!“. Das war übrigens am Tag nach Pfingsten; und der Bezug zum Heiligen Geist war sicher Absicht. Heute klagen viele, die katholische Kirche stecke noch immer in der Vergangenheit fest, in Traditionen und Gewohnheiten, die niemand hinterfragt. Aber mal Hand aufs Herz: Habt Ihr nicht auch solche Traditionen und Gewohnheiten, Einstellungen und Ansichten, die ihr seit Ewigkeiten mit euch rumtragt? Mit der Familie Eures Cousins gibt’s halt diesen alten Streit. Den Kaffee kauft Ihr schon immer beim Discounter – was soll das jetzt mit fair gehandeltem Kaffee? Na ja, und das mit Gott, das sagt Euch alles nicht’s mehr – warum sich noch mal neu Gedanken machen? Traditionen und Gewohnheiten, Einstellungen und Vorstellungen ... Wie wär’s – öffnet doch mal in Eurem Leben ein Fenster und lasst frischen Wind herein, gerne auch den Heiligen Geist!


Thema: Unterwegs auf den Spuren von Jesus – nicht nur an Fronleichnam!

Donnerstag, 4. Juni 2026, 5:40 Uhr

Wenn Ihr heute Vormittag mit dem Auto unterwegs seid, kann’s mal kurz stocken. Denn heute ist Fronleichnam, und diesen Tag feiern katholische Christinnen und Christen mit einer Prozession durch ihr Stadtviertel oder ihren Ort. Diese Prozessionen erinnern daran, dass Christen eigentlich immer “auf dem Weg” sind. Das geht schon in der Bibel los, in vorchristlicher Zeit: Abraham wanderte quer durch den Orient, weil Gott ihn gerufen hatte; die Propheten zogen umher, Jesus und seine Jünger sowieso; und der Apostel Paulus betätigte sich als Reisemissionar. Und alle, die an Christus glauben, sind ihnen auf der Spur. Christlicher Glaube ist nichts für geistige Stubenhocker, eher schon eine Abenteuerreise. So eine Expedition tretet Ihr besser nicht alleine an, sondern nehmt Euch Freundinnen und Freunde mit. Und Fährtensucher, die sich in der Gegend auskennen. Und wenn der Weg einmal unklar ist, müsst Ihr eben zusammen überlegen, wie’s weitergeht. Auf den Spuren des Jesus von Nazareth unterwegs zu sein, bedeutet, immer wieder neu aufzubrechen. Es gibt keinen Grund, die Beine hochzulegen, der Weg ist noch nicht zu Ende; den Himmel auf Erden gibt’s nicht. Wenn Ihr es Euch unterwegs zu bequem macht, setzt Ihr Fett an - um die Hüfte, aber auch in Geist und Seele. Bleibt lieber in Bewegung!


Thema: Unser gemeinsames Haus

Freitag, 5. Juni 2026, 5:40 Uhr

Heute ist? – Freitag, richtig. Freitag, der 5. Juni. Und der 5. Juni ist der Weltumwelttag der UNO. Seit 1976, seit 50 Jahren also, wird er auch in Deutschland – ja, was? Gefeiert? Zwar gab’s einige wichtige Verbesserungen seitdem – zum Beispiel ist der Rhein viel sauberer. Aber insgesamt ist das Thema Umweltschutz, Naturschutz, Klimaschutz eher kein Grund zum Feiern. Also sagen wir mal besser: Heute wird der Weltumwelttag – begangen. 2015 hat der verstorbene Papst Franziskus das Thema ganz nach vorne geschoben, mit seinem Schreiben „Laudato si - Über die Sorge für das gemeinsame Haus“. Das gemeinsame Haus – das ist die Erde, unser gemeinsames Zuhause für alle Menschen. Und die sollen sich alle wohlfühlen können in diesem Zuhause. Aber – die Erde „schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr zufügen aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter, die Gott in sie hineingelegt hat“ – so Papst Franziskus. Also: Was könnt ihr tun für unser gemeinsames Haus, was tut ihr schon? Mehr Wege zu Fuß und mit dem Rad statt mit dem Auto? Politikerinnen und Politikern Dampf machen für mehr Umwelt- und Klimaschutz? Sich selbst politisch einmischen, in einer Partei oder einer Umweltinitiative? Was geht noch?


Thema: Schutzpatron Luigi Scrosoppi – Mental-Coach nicht nur für Fußballernde!

Samstag, 6. Juni 2026, 6:20 h

Gibt es einen Fußballgott? … Wen es auf alle Fälle gibt: einen Schutzpatron für Fußballer und Fußballerinnen, nämlich den heiligen Luigi Scrosoppi. Zu ihm können Fans und Spieler das eine oder andere Stoßgebet schicken, wenn nächste Woche die WM beginnt. Luigi war katholischer Priester im 19. Jahrhundert in Italien. Gekickt hat er wohl nie. In einem Waisenhaus hat er mitgearbeitet und ist übers Land gezogen, um Spenden zu sammeln. Ein Heim für taubstumme Mädchen hat er gegründet, und sich überhaupt um Arme und Kranke gekümmert – Sozialhilfe, Krankenversicherung, das gab’s ja damals noch nicht. Und für die Jugend hat er sich eingesetzt. Jede Menge Rückschläge hat er bei all dem einstecken müssen, aber das hat ihn offenbar nicht entmutigt. Wegen dieser Eigenschaften ist die Wahl auf den heiligen Luigi Scrosoppi gefallen, als vor einigen Jahren offiziell ein Schutzpatron für Fußballspieler und -spielerinnen gekürt wurde. Der heilige Luigi stehe für Fairness, Ausdauer und Zielstrebigkeit, und das passe gut zum Fußball, hieß es. Ob Ihr jetzt Fußball spielt oder nicht: Ist der heilige Luigi Scrosoppi nicht sozusagen ein guter Mental-Coach für Euch? Denn ausdauernd zu sein, zielstrebig und dabei fair – das ist doch auch eine gute Taktik neben dem Platz, mitten im Alltag, oder? Was meint Ihr?